Welches Vergabeverfahren wird durchgeführt?

Wie läuft eine Vergabe im Partnering-Verfahren ab?

Das Partnering-Verfahren beginnt ebenso wie die „klassische“ Generalunternehmervergabe mit einem EU-weit bekanntgemachten Teilnahmewettbewerb. In dieser Stufe 1 werden zuverlässige, fachlich geeignete und wirtschaftlich leistungsfähige Unternehmen gesucht und auf Grundlage zuvor festgelegter Leistungen und Wertungskriterien bewertet. Nach Abschluss der Stufe 1 Teilnahmewettbewerb werden maximal vier Bieter ausgewählt, die in die Stufe 2 Angebots- und Verhandlungsphase starten. So ist ausreichender Wettbewerb für die Angebotsabgabe sichergestellt.

In der zweiten Stufe, der Angebots- und Verhandlungsphase geben die Bieter ein indikatives Angebot auf Grundlage einer Funktionalen Leistungsbeschreibung der Kreiskliniken Böblingen  ab. Hierbei müssen die Bieter außerdem die variablen Kalkulationskosten (allg. Geschäftskosten, Gemeinkosten, Wagnis, Gewinn) verbindlich offen- und festlegen. Auch die Kompetenz des angebotenen Projektteams der Generalunternehmer wird geprüft. Zum Ende der Stufe 2 Angebots- und Verhandlungsphase fällt die Entscheidung für einen Bieter, der in die nächste Stufe mitgenommen wird.

In der dritten Stufe der Planungsphase (Preconstruction- und Partneringphase) kommen die eigentlichen Vorteile des Verfahrens zum Tragen. Hierin erstellt der Bieter gemeinsam mit den Kreiskliniken Böblingen die fertige und vollumfassende Planung. Hierbei wird gemeinsam das Projekt konkretisiert. Die Gesamtplanung orientiert sich dabei an einer strikten Kostenvorgabe. Dieser Prozess des sog. Design to Cost bietet für die Kreiskliniken Böblingen und den Landkreis  größtmögliche Kostensicherheit. Nach Abschluss der Stufe 3 Planungsphase liegt entweder ein finales Angebot des Generalunternehmers innerhalb des vorgegebenen Kostenrahmens vor, dann kann der Zuschlag für die Ausführung erteilt werden. Oder aber es liegt kein finales Angebot innerhalb des Kostenrahmens vor, dann wird kein Zuschlag erteilt, sondern möglicherweise mit dem Zweitplatzierten der Stufe 2 Angebots- und Verhandlungsphase weitergeplant. Im besten Fall des passenden Angebots fällt dann der Start für die eigentliche Ausführungsplanung der Bauleistung bis zum Beginn der Bauleistungen und schließlich bis zur Inbetriebnahme des Gebäudes.

 

Welche Konsequenzen hat die neue Vergabestrategie für die Terminschiene im Projekt?

Auf den derzeit gültigen Rahmenterminplan im Projekt hat die Vergabe als Partnering-Verfahren keine negativen Auswirkungen. Im Gegenteil wird das Risiko minimiert, kaum oder nur sehr wenige Unternehmen zu finden, die sich für die Ausführung des Bauvorhabens anbieten. Dadurch könnte sich der Zeitraum der Ausschreibung eventuell über einen längeren Zeitraum hinziehen. Das Partnering-Verfahren bietet jedoch mehr Aussicht auf eine ausreichende Teilnehmerzahl. Ziel ist, die bislang bestehende Terminschiene so zu sichern.

 

Kommen durch die Vergabe im Partnering-Verfahren zusätzliche Kosten auf das Projekt zu?

Die Kosten für das Vergabeverfahren sind im vorgegeben Kostenrahmen des Kreistags abgedeckt.

 

Welche Risiken bergen die verschiedenen Vergabeverfahren?

Die Vergabe in Einzelgewerken birgt vor allem das Risiko bauablaufbezogener Störungen, da die einzelnen Gewerke in einem solch komplexen Bauvorhaben optimal aufeinander abgestimmt sein müssen. Dies bedeutet einen sehr hohen Organisationsaufwand auf Seiten der Kreiskliniken Böblingen. Damit läge jedoch auch das Risiko von Insolvenzen einzelner ausführender Unternehmen, Verzögerungen im Ablauf oder auch die Einhaltung der Gewährleistungspflicht gesammelt in der der Verantwortung der Kreisklinikgen Böblingen. Mit einer Generalunternehmervergabe geben die Kreiskliniken Böblingen die Organisation und Koordination der einzelnen Gewerke in die Verantwortung des Generalunternehmers, der als einziger Ansprechpartner und Auftragnehmer für die Kreiskliniken Böblingen zur Verfügung steht. Aus wirtschaftlichen und technischen Gründen empfiehlt sich für das Projekt Neubau Flugfeldklinikum daher eine Generalunternehmervergabe. Die Generalunternehmerleistung wird im Ablauf eines Verhandlungsverfahrens vergeben. In einem klassischen Verhandlungsverfahren bringt dies jedoch sehr viel Organisations- und Planungsaufwand mit Kosten in 7-stelliger Höhe auf Seiten der anbietenden Unternehmen mit sich, noch bevor diese den Zuschlag für das Projekt erhalten. Aufgrund der Auslastung des Marktes haben im Rahmen der durchgeführten Marktuntersuchung die Unternehmen bereits signalisiert, dass an einem solchen Verfahren kaum Teilnahmeinteresse besteht. So besteht das Risiko, kein oder nur wenig und damit sehr teure Angebote für die Bauausführung zu erhalten.

Das Partnering-Verfahren bietet den Vorteil, dass nur noch ein ausgewählter Generalunternehmer partnerschaftlich die Planungen mit dem Auftraggeber durchführt, was die Teilnahme am Verfahren attraktiver macht. Auch kann durch die partnerschaftliche Planungsphase die Verantwortung für die Planung vom Generalunternehmer übernommen werden, was im klassischen Verhandlungsverfahren bei den Generalunternehmern kaum durchsetzbar ist. Das Projekt Neubau Flugfeldklinikum profitiert so mit dem Partnering-Verfahren von einer Minimierung der Risiken und damit einhergehender höherer Kosten- und Terminsicherheit.

 

Gibt es bereits öffentliche Bauvorhaben, die nach diesem Verfahren abgewickelt wurden?

Es gibt bereits öffentliche Projekte in Nordrheinwestfalen und Niedersachsen, wie z.B. die Uniklinik in Münster, die ebenfalls im Partnering-Verfahren  abgewickelt werden und bisher gute Erfahrungen damit gemacht haben.

 

Wird das jetzige Planerteam abgelöst durch den Partner der Vergabestrategie? Warum wird nicht mit der gleichen Mannschaft „fertiggeplant“?

Mit der gleichen Mannschaft an Fachplanern weiterzuplanen führt zu einer Vergabe in Einzelgewerken. Bei der Abwägung der damit verbundenen Chancen und Risiken zur Erreichung der Projektziele ist eine Vergabe in Einzelgewerken jedoch nicht attraktiv. Für den Neubau Flugfeldklinikum wird daher eine Generalunternehmervergabe angestrebt. Das bisherige Planerteam ist bei der Erstellung der Auslobung beteiligt, z.B. bei der Festlegung von Leitdetails, bei der Prüfung der Pläne und der Qualitätssicherung bei der Ausführung.

 

Warum gibt es keinen klassischen Baubeschluss mehr?

Die Gremienentscheidungen werden gemäß den einzelnen Stufen im Partnering-Verfahren angepasst. So wird der Kreistag nun nach jeder Stufe des Verfahrens zur Beschlussfassung tagen. Der ursprüngliche Baubeschluss im klassischen Sinne wird daher abgelöst und in mehrere Schritte unterteilt. So sind die demokratischen Gremien noch enger in den Prozess eingebunden und erhalten mehr Informationen und Detail zur Entscheidung über die einzelnen Schritte. Die Entscheidungsqualität für den Kreistag wird damit erhöht.

 

Warum ist dieses Verfahren bei öffentlichen Bauvorhaben noch nicht verbreitet?

Für die Generalunternehmervergabe müssen bestimmte  juristische, technische und wirtschaftliche Bedingungen erfüllt sein. Nicht alle öffentlichen Bauvorhaben können die vergaberechtlich geforderten Voraussetzungen hierfür nachweisen. Beim Projekt Neubau Flugfeldklinikum sind die entsprechenden Kriterien jedoch erfüllt, sodass eine Vergabe an einen Generalunternehmer sowohl rechtlich möglich als  auch im Hinblick auf die Erreichung der Projektziele sinnvoll ist.

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