Klinikbau 4.0

Fachplaner demonstrieren die Arbeit mit der Methodik des Building Information Modeling beim Neubau Flugfeldklinikum

Innovative Planung, Digitalisierung, Planen & Bauen 4.0 – die Schlagworte beschäftigen momentan die Baubranche. Für den Neubau Flugfeldklinikum hat eine umfangreiche Markterkundung zu Beginn des Projektes gezeigt, dass BIM in einem solchen medizinischen Großprojekt zwingend angewendet werden sollte. Die Arbeit an einem digitalen Gesamtmodell liefert Planern und Bauherren von Beginn an verlässliche und umfangreiche Planungs- und Controlling-Informationen. Diese werden genutzt, um Qualität, Kosten und Termine im Projektverlauf besser zu steuern und im Blick zu behalten.

Wie die Arbeit am digitalen Modell des Flugfeldklinikums genau abläuft und welche Vorteile sich daraus ergeben, haben am Mittwoch, den 16. Mai die BIM-Experten des Projektes der Presse demonstriert. Im BIM-Lab des Projekts informierten Landrat Roland Bernhard, Projektgeschäftsführer Harald Schäfer und BIM-Manager Felix Beck (Drees & Sommer) zunächst über die Hintergründe der Methode. BIM-Gesamtkoordinator Stephan Hösemann (HDR) stellte gemeinsam mit den BIM-Beauftragten des Planerteams live den praktischen Arbeitsablauf am BIM-Modell in der Software NavisWorks dar. Mit Hilfe der Software kann sich jeder Planer in dreidimensionaler Ansicht durch das Gebäude bewegen.

Während der Planungsphase des Neubaus arbeiten die verschiedenen Fachplaner parallel an ihren Fachmodellen, z.B. für Architektur, Tragwerk oder Technik. In regelmäßigen Koordinationssitzungen werden diese einzelnen Fachmodelle zu einem Gesamtmodell zusammengeführt. Dadurch können Planungsfehler oder Problemstellen frühzeitig erkannt werden, wie Herr Hösemann beispielhaft live am Modell präsentierte. Im Gesamtmodell zeigt sich, an welchen Stellen beispielsweise Kollisionen zwischen einzelnen Fachmodellen auftreten. „Über eine digitale Schnittstelle zur Kollaborationsplattform BIMcollab können diese Stellen markiert und den jeweiligen Fachplanern zur Überarbeitung zugewiesen werden. So stehen alle Informationen transparent und in Echtzeit für alle Beteiligten zur Verfügung. Diese Arbeitsweise beschleunigt Abstimmungs- und Überarbeitungsprozesse erheblich und verhindert kostenintensive Korrekturplanungen in späteren Projektphasen“, erklärt der BIM-Fachmann von HDR.

Projektgeschäftsführer Harald Schäfer kommentiert: „Wir haben bei der Auswahl der Planer sehr darauf geachtet, Büros zu finden, die über genügend Erfahrung mit BIM verfügen. Das gesamte Team arbeitet sehr motiviert und engagiert mit dieser innovativen Methode.“ Für die Modellierung der einzelnen Fachmodelle werden von Bauherrenseite keine Vorgaben für ein bestimmtes Software-Tool gemacht. Nach dem Prinzip Open BIM nutzen die Planer unterschiedliche Lösungen, welche in ihren Planungsbüros schon etabliert sind, wie z.B. die Software Revit oder Vektorworks.

Durch die Investitionen in BIM kann die Datengrundlage verbessert und Abläufe effizienter gestaltet werden, wodurch wiederum Kosten eingespart werden. Auch für die anschließende Betriebsphase können die umfangreichen Daten verwendet werden.

„Die Vorteile von BIM werden bereits in der nächsten Projektphase der Entwurfsplanung verstärkt zum Tragen kommen“, erklärt Felix Beck. Weitere Vorteile sieht Harald Schäfer in der Kommunikation: „In der Entwurfsplanung werden wir die Modelldaten außerdem für Visualisierungen nutzen. So können wir die Zusammenarbeit mit unseren Nutzergruppen weiter verbessern und auch die Öffentlichkeit noch transparenter über das Bauvorhaben informieren.“

Als innovative digitale Planungsmethode wird das Building Information Modeling immer mehr an Bedeutung gewinnen. So hat der Bund 2016 festgelegt, dass ab 2020 alle Infrastrukturprojekte des Bundes mit BIM durchgeführt werden müssen. In öffentlichen Bauvorhaben wird BIM heute jedoch noch selten in einer so frühen Planungsphase eingesetzt. Das Projekt Neubau Flugfeldklinikum nimmt damit eine Vorreiterrolle in Baden-Württemberg auf diesem Gebiet ein.