Digitales Arbeiten im Neubauprojekt Flugfeldklinikum

Im 3D-Modell über die Baustelle laufen.

Darstellung im Dalux

Darstellung einer Punktwolke erstellt mit einem 3D-Scanner

Punktwolke erstellt mit einem 3D-Scanner

Es nicht einfach bei einem Großbauprojekt wie dem Flugfeldklinikum den Überblick zu behalten. Das gilt für die tägliche Arbeit auf der Baustelle, aber auch für die Planung und deren Koordination. 
Um die notwendige Übersicht im Großbauprojekt sicherzustellen, hat sich der Bauherr entschieden mit BIM zu arbeiten. BIM steht für Building Information Modeling und ist eine digitale Arbeitsmethode. Der Landkreis Böblingen war mit seiner Entscheidung 2016 BIM zu nutzen Vorreiter. Das Flugfeldklinikum zählt damit zu einem der ersten Krankenhaus-Großprojekte in Deutschland, bei dem man auf die digitale Planung setzt.
BIM umfasst verschiedene Tools und Software für ganz unterschiedliche Arbeitsschritte in Planung und Bau. Es ist eine digitale Arbeitsmethode, die sich über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes erstreckt: von der Planung bis zum Betrieb. 
Dazu gehört auch ein 3D-Modell. „Das 3D-Modell des Flugfeldklinikums ist das entscheidende Werkzeug, um komplexe Zusammenhänge darzustellen“, sagt Dirk Holzmann (Drees & Sommer), seit  2025 BIM-Manager des Bauherren für das Neubauprojekt. Das Modell ersetzt die 2D-Zeichnungen. 
Im 3D-Modell können die Planer und Architekten das gesamte Gebäude mit seinen 51.000 Quadratmetern Nutzfläche in einzelne Cluster herunterbrechen. So kann man sich auf den ausgewählten Bereich konzentrieren und die einzelnen Gewerke wie zum Beispiel Sanitär und Lüftung können sich gezielt abstimmen. Diese Abstimmung im digitalen Modell verhindert im besten Fall Kollisionen auf der Baustelle. „Im Modell werden Fehlerquellen früher entdeckt, oft bereits in der Planungsphase“, erklärt Holzmann. 

Die Nadel im Heuhaufen

Aber trotz aller digitaler Unterstützung, darf man den Faktor Mensch nicht unterschätzen. Auch im BIM-Modell kann man falsch planen. Zudem muss man sich auf BIM einlassen. Die Einstellung der verantwortlichen Mitarbeitenden sei entscheidend, sagt Holzmann. 
Genau wie das Gebäude wächst, entwickelt sich auch das Modell weiter. Das dreidimensionale Modell wird von allen Projektbeteiligten kontinuierlich mit sogenannten alphanumerischen Informationen gefüttert. Unter alphanumerischen Informationen versteht man zum Beispiel Höhe, Breite, Material und Herstellernummer einer Tür. Bei einer Rohbauwand aus Stahlbeton werden die Bewehrung und/oder die Betongüte hinterlegt. Dadurch erhält man eine zentrale Datenquelle, in welcher relevante Entscheidungen und Informationen hinterlegt sind. „Das erspart viel Zeit“, sagt Holzmann. Auch bei einem digitalen Planungsprozess ist die Koordination der Projektbeteiligten notwendig. Dies geschieht durch den BIM-Manager Holzmann. 
Im Modell kann man sehr einfach Regeln und Filter aufsetzen, „um die Nadel im Heuhaufen zu finden“. „Bei der Größe des Neubauprojekts Flugfeldklinikum ist das wichtig und hilfreich“, ergänzt er. Dank der Filter können sich die Planer zum Beispiel alle Abwasserleitungen darstellen lassen oder alle Brandschutztüren inklusive der sogenannten Freihaltezonen. 

Das Modell in der Praxis

Es findet immer ein Abgleich zwischen dem Modell und der Baustelle statt. Das Modell ist immer die Grundlage, aber häufig wird auf der Baustelle in Details anders entschieden. „Das Modell ist kein 1:1 Abbild. Es bleibt abstrakt“, erklärt Holzmann. 
Zum Abgleich zwischen Modell und Planung nutzt man in diesem Projekt ein weiteres Software-Tool namens Dalux Field. 
Dabei werden digitale Planung und die Bauausführung digital übereinander gelegt und Unterschiede markiert. Dank GPS erkennt das System in welchen Bereich des Flugfeldklinikums sich der Mitarbeitende aufhält. So kann man Mängel dokumentieren oder auch Erkenntnisse in das Modell überführen. Die Aufnahmen erlauben es dem Planer und Nutzer des BIM-Modells sich vom Schreibtisch aus, Räume in ihrem aktuellen Ausbaustand digital zu begehen. 
Das BIM-Modell hat einen weiteren großen Vorteil: es konnte von Anfang an genutzt werden, um Nutzer und die Öffentlichkeit einzubinden. Das digitale Modell macht das Flugfeldklinikum erlebbar und Nutzer können sich im digitalen Raum bewegen. Die gesammelten Erfahrungen zeigen, dass sich die Akzeptanz für das Neubauprojekt erhöht hat.
Auch nach dem Ende der Baumaßnahmen werden die Informationen aus dem Modell noch genutzt. Sie werden an den Betreiber, den Klinikverbund Südwest, nach festgelegten Vorgaben übergeben und dienen der technischen Betriebssteuerung.